Natur erfahren in Zeiten von Abschied und Neubeginn

 

 

Lyrik

Die folgenden selbstverfassten Texte und Gedichte reflektieren alle möglichen Aspekte des Selbst- und Naturerlebens und ich lade Sie herzlich dazu ein, etwas darin herum zu "blättern"...

In den Gedichtbänden "Lebensgeister" (56 Seiten / € 14,- zzgl. Versand) und - neu erschienen 2019! - "Durch einander" (34 Seiten / € 12,- zzgl. Versand) liegen zahlreiche Gedichte auch in Druckform vor und können hier bestellt werden (siehe "Angebote")!

 

                          Endlich da

 

                                        Da,
                              wo Laub errötend aus den Wipfeln sinkt –
                                        und keiner hat‘s gepflückt,
                              wo Gras sich raubereift zu Boden neigt –
                                        und keiner hat‘s gedrückt,
                              wo Spinngewebe zart im Wind sich hebt -
                                        und keiner es zerrüttelt,
                              wo Tropfenglanz auf dürren Zweigen blinkt -
                                        und keiner ihn verschüttelt,
                              wo Sonnenschimmer sich in tausend Lücken zeigt -
                                        und keiner sich verbrennt,
                              wo Nebel zwischen grauen Stämmen schwebt -
                                        und keiner sich verrennt,
                              wo Unberührtes mich umfängt
                                        und nichts sich ihm verschließt
                                        und meiner Spur ein Weg entsprießt
                              worauf mich keiner drängt, woraus mich keiner treibt,
                              wo alles kommt und geht und lebt
                                        und dennoch bleibt –
                              ja, da!

 

Stillleben

 

Bin wie ein Ton, der, kaum erklungen,
dem aufhorchenden Ohr entgeht;
bin wie ein Lied, das, kaum gesungen,
in Fetzen auseinanderweht.

Such ich der Stille zu entkommen,
die allseits drohend mich umkreist?
Stürz ich mich deshalb, blind, beklommen,
durch jede Tür, die Flucht verheißt?

Bin wie getrieben zu erdröhnen,
sobald ein Schweigen mich umspinnt,
und ahne doch, dass zwischen Tönen
ein Teil von mir auf Ruhe sinnt.

Gründet nicht all mein Drang, mein Wille,
beruht nicht meine Art und Weise
auf einem Sockel tiefster Stille?
Sind Wind und Sturm an sich nicht leise?

Bin wie ein Segel, das erschlafft,
sobald der Abendwind sich legt
und träume doch, ich sei die Kraft,
die stürmisch eine Welt bewegt.

Pst! Halte inne, um zu lauschen -
hör doch! - so deutlich wie noch nie:
aus wildem Pochen, dumpfem Rauschen…
erhebt sich meine Melodie.

 

                         Lebensfeier

 

                                      Spür schon den Herbst bis tief in unsre Kronen reichen,
                                      fühl ihn mit kaltem Zug umhauchen unser Laub.
                                      Das einst so einnehmende Grün, nun matt und taub,
                                      beginnt zu weichen…
                                      so lass doch flatternd uns vertun auch noch den Rest!
                                      Zum Vorschein bringen lass uns all das lang Verdeckte -
                                      kein Tag vergehe, der nicht Leben neu erweckte:
                                      mit bunten Fahnen laden wir die Welt zum Fest!
                                      Lass unvernünftig uns im Winde rauschend spielen,
                                      uns Blatt um Blatt im Farbentanz ergehen,
                                      den Knospen neben uns, den endlos vielen,
                                      verrückte Bilder darzubringen wagen!
                                      Und wird uns dann die letzte Böe mit sich tragen –
                                      so mag es halt geschehen,
                                      doch soll sie leuchtend uns
                                      ins Blaue wehen.

 

                                                             Ausflug

 

                                                                                      Im Eibenbaum ein altes Nest
                                                                                      aus vorvergangnem Jahr:
                                                                                      Erinnerung, verwaister Rest
                                                                                      des Hoffens und Erwartens,
                                                                                      das darin eingeflochten war
                                                                                      im Winkel meines Gartens.

                                                                                      Aus meinem Suchen, meinem Fragen
                                                                                      möchte auch ich ein Nest mir knüpfen;
                                                                                      mich tiefem Dickicht anvertrauen,
                                                                                      mir eine Heimstatt darin bauen,
                                                                                      um einst, mit zunehmenden Tagen,
                                                                                      in weite Lichtung zu entschlüpfen.

                                                                                      Die Antwort auf Wohin?, Woher?
                                                                                      fällt mir so recht nicht ein.
                                                                                      Doch findest du mein Nest bald leer
                                                                                      und fragst dich, wo ich bleibe,
                                                                                      werd ich zu ihr entflogen sein
                                                                                      aus meiner alten Eibe.

 

                     Durch einander
                     (Wer ist es?)


                              Bist du es, Blüte, die sich wesenhaft


                              als Duft verströmt hinaus in freies Feld?

 


                              Oder bist du es, Duft, der sich ein Blütenwesen schafft


                              als Tor zu unsrer Welt?

 


                              Bin ich’s, der seinem Herzen Raum verleiht


                              durch diese Worte?

 


                              Oder bist du’s, mein Herz, das Eingang findet in die Zeit


                              durch mich als Pforte?

 


                              Bist du es, Mond, der in der Nacht


                              sich silbern in das Schattenreich ergießt?

 


                              Oder bist du es, Licht, das, nur am Mond entfacht,


                              sich weitend durch die Dunkelheiten fließt?

 


                              So lass uns riechen, lass uns hören, lass uns sehen,


                              uns durch einander ineinander gehen!

 

Rose, lass mich gehen

 

Rose im Raureif -
lass mich gehen!

 

Lass schmelzen den Ring, den Frost dir umgestreift -
eng ist mir um die Brust.

 

Lass trocknen den Tau, der kühl dein Haupt umperlt -
fröstelnd ist mir geworden.

 

Lass weichen den Duft, der zögernd dich umspielt -
ermüdet ist mein Atem.

 

Lass wehen deine Blütenblätter
ein letztes Mal auf meinen Weg -
zum Gehen lädt er mich.

 

Lass reifen deine Frucht,
in Ruhe.

 

So, bitte, Rose im Raureif –
lass mich,
mit der Zeit.

 

Herbsterwachen

 

Spät ist deine Zeit gekommen,
warst als Unterholz verdeckt,
dicht am Waldboden geborgen,
unterm Kronendach versteckt.
Sommer hat mit sich genommen
Schatten, der dich streng bedeckt;
nun erst lichtet sich dein Morgen,
hältst dein Laub ihm hingestreckt.

 

Bald, wenn Frost dein Schlaflied singt,
lähmend, bindend in dich dringt,
Wind nach Schnee und Raureif schmeckt,
braune Rinde weiß befleckt,
wird dir Zeit gewährt zum Träumen,
ruhend zwischen kahlen Bäumen,
bis ein Frühlingsruf erklingt,
Vogelsang dich neu erweckt.

 

 

Tautropfen

 

Novembernachts,
wenn Vogelzüge längst verflogen,
Blättergewelk vom Wind verweht,
der Wald vom Sturme hart gebogen
oder erstarrt im Nebel steht;

 

wenn Fragen stumm aus wunden Augen rinnen,
Antwort in rauer Kehle stockt;
wenn Mut glaubt nie mehr zu gewinnen,
Kälte zum Einschlafen verlockt:

 

dann lass uns Schritte gehen, einen, zwei,
sei’s auch in richtungsloses Einerlei;
leg deinen Arm um mich, hake dich ein,
und weine einfach, wein! -
unsere Tränen werden Tautropfen
auf zarten Blüten sein.

 

Begegnung

 

Ein, zwei klitzekleine Spalten
zwischen übermüden Lidern,
zwischen angespannten Lippen,
zwischen ausgefüllten Zeiten
reichen, den Moment zu weiten,
zu berühren, anzutippen,
Augenblicke zu erwidern,
sich einander aufzuhalten.


Ein, zwei klitzekleine Worte,
ein, zwei unverstellte Laute,
ein, zwei Finger in Bewegung
lösen tief verstaute Regung,
leiten über ins Vertraute,
öffnen leise eine Pforte.


Ein, zwei klitzekleine Spalten
lassen nehmen, lassen geben,
unsre Wege sich verweben,
in Begegnung uns entfalten –


eine Welt ist oft enthalten
in zwei klitzekleinen Spalten…

 

Umfluted

 

Wellen drängen, wütend, jagend,
schon von weitem donnernd, grollend,
unablässlich brausend, rollend,
drohend über mir sich türmend -
woher kommend, woraus stürmend? -
meine Felsenflanken plagend,
rundherum zusammenschlagend.

Bleibt mir bloß nicht nachzugeben,
mich zu stemmen gegen Massen,
stur sie abprallen zu lassen,
mich zu stellen den Gewalten,
ihrem Ansturm standzuhalten,
unverrückt nicht abzuheben,
felsenfest am Grund zu kleben.

Doch ob ich nun finster trotze,
untertauche oder nicht,
ob vor Eiszapfen ich strotze,
ob vor Gischt im Sonnenlicht –
noch war es stets die Woge, bin‘s nicht ich, was sich hier bricht;
die, obschon schäumend danach greifend,
etwas in mir verfehlt bei aller Wut,
etwas, das unantastbar in mir ruht,
die an mir nagt zwar, ja, mich formend, schleifend,
und dennoch einen Ort in mir kaum streifend;
und sollte sie mich eines Tages völlig überwinden,
sollte ich doch zuletzt in ihrer Wucht verschwinden,
wäre hier irgendwann kein Körnchen mehr von mir zu finden,
dann, nun gut –
dann wurde wohl auch ich ein Teil der Flut.

 

 Entdecker

 

Als Junge entdeckte ich einen Schatz,
unter der Linde, am murmelnden Bach,
verborgen, verwunschen - mein eigener Platz!
lehnte am Stamm dort, mal schläfrig, mal wach,
im Zwielicht des Laubes, im heimlichen Land.


Hier war vor mir wohl noch keiner gewesen,
hier war ich Erster und Letzter auf Erden!
Konnte verträumen, von Kummer genesen,
und sicher sein, nicht gefunden zu werden -

bis ich, erwachsend, den Ort nicht mehr fand.


Gestern nun pflanzte ich selbst eine Linde
unter der ich niemals sitzen werde;
versorgt mit Wasser und frischer Erde
bleibt sie zurück, wird bereits ab morgen
immer geheimer, verwunschen, verborgen,
Gespielin der Sonne, des Mondes, der Winde.
Ich aber raschle durchs Herbstlaub nach Hause,
hör Wildgänse ziehen, im Flug ohne Pause,
seh den Wald sich entblättern bis auf die Rinde
und träume, dass einst ein Entdecker sich finde.

 

Sehnsuche

 


Seh die Ziele meiner Träume,
all mein Sehnen, meine Fragen,
gleich den Samen alter Bäume
tausendfach hinweg getragen.
.
Wie die Eckern weiter Buchen
so zerstreut sich auch mein Suchen,
massenweise unter Eichen
sammeln sich die Fragezeichen,
kann nur leere Hüllen finden
breit verteilt rings um die Linden,
find die Hoffnungen auf Wirken
fortgeweht abseits der Birken.


Wilder Tiere leichte Beute,
Wind und Wetters leichtes Pfand –
nach dem Raureif fühl ich heute
Tautropfen auf meiner Hand.


Steif, in ungelenken Reimen,
formt allmählich sich ein Plan.
Hier und dort regt sich ein Keimen,
bricht sich Leben zarte Bahn.


Hör ein Knacken, spür ein Dehnen -
träum ich? Bin ich selbst ein Traum?
Meine Fragen, all mein Sehnen
fügen sich zum Baum.

 

Letzter Gruß

Alter Baum,
dich suchte ich!
Stärkster Turm im weiten Land!
Leeren Raum
nur fand ich,
wo der Mächtige einst stand.
Morsches Holz, verweste Rinde
sind des Freundes letzter Gruß:
dass, wenn ich mich jetzt nicht finde,
ich wohl ewig suchen muss.

 

 

Weitsichtig

 

 

Wie oft misstrau ich meinem Glück,


das stets nur währt im Augenblick.


Kaum schwingt das Pendel dann zurück


begrüße ich mein Missgeschick;


hebe beschwörend beide Hände:


Wusst' ich’s! Jetzt kommt das dicke Ende!


 

Spuren

 

Schreite stumm durch fremden Wald,

auf Beinen, die von selber laufen.

Zügle sie, bring sie zum Halt,

möcht lauschen und verschnaufen.

 

Lehn meinen Kopf an feuchten Stamm,

es pocht und saust in meinen Ohren,

Nase und Finger werden klamm,

fühl mich als Gast, der seinen Weg verloren.

 

Stille! – tritt ein, bleibt unberührt

vom Tropfenspiel des Taus.

Mein Blick, von keinem Ziel geführt,

ruht sich im Dickicht aus.

 

Da sticht aus grünem Unterholz

ein Schemen recht seltsam hervor –

knorrig zwar, doch steil und stolz

ragt die Zypresse empor.

 

In ihrem Schatten eine zweite,

verkrümmt und tief gebeugt.

Ein Paar, das einsam in der Weite

vom Wechselspiel der Zeiten zeugt.

 

Ein Mauerrest zu ihren Füßen,

berankt mit Efeu, Immergrün,

lässt von vergangnen Gästen grüßen,

von ihrem Lachen und Verblühn.

 

Stell meinen Beinen wieder frei

den Schritt von selbst zu lenken.

Kehr heim ins Spurenallerlei

mit reichen Gastgeschenken.

 

Sonnenfunke

Sonnenfunke! Glühst auf für einen Augenblick,

triffst mittenrein ins Herz, entfachst mein Glück!

 

Kaum merklich war die Welle, die dich trug,

enteilt sogleich, ins Weite, nur ein Spuk.

 

Ihr Ursprung? War’s ein Blatt,

ein Tierchen, das den See gekräuselt?

 

Schon ist das Wasser wieder spiegelglatt,

während das Laub im letzten Hauch noch leise säuselt.

 

 

Tagesanbruch

 

Höre Morgenmelodien,

leichtes Tropfengetrappel,

hör’ den Wind und die Brandung verwehen.

 

Lass’ die Träume dahinzieh’n,

der Gedanken Gezappel,

lass’ mich in deiner Wärme zergehen.

 

Tauche ein in dein Dickicht,

tauche auf ins warme Licht

als ein sonniger Tag anbricht.

 

 Alle Rechte für sämtliche Texte bei Constantin Gröschel.

 

Links

Im Folgenden finden Sie unsere Partnerunternehmen und –Einrichtungen
sowie uns nahestehende Vereine und Betriebe:

www.klosterstift-heiligengrabe.de Veranstaltungsort in der Prignitz

www.blue-lizard.de Veranstaltungsort in der Uckermark

www.ggut.org Gesellschaft für Gartentherapie

www.maison-saint-hyacinthe.com Veranstaltungsort auf Korsika

www.essences-naturelles-corses.fr Heilkräuter-Manufaktur auf Korsika

www.leben-und-garten.de Gartentherapeutin M.Bromm, Berlin

www.edke.de/index.php/de/trauerwegbegleitung Trauerwegbegleitung des Evangelischen Diakoniewerks

www.gartencultura.de Heilkräuter, Gartentherapeutin A.Mertens, Mecklenburg

www.livingelements.de Web- und Printdesign J.Krause

www.berlinerherz.de Ambulantes Kinderhospiz, Berlin

www.drewsbestattungen.de Bestattungen und Trauerbegleitung, Berlin

www.gartentherapeuten-nord.de Netzwerk gartentherapeutischer Aktivitäten im nördlichen Teil Deutschlands

www.trauergruppe.de/finden Verzeichnis für Trauergruppen und -Cafes

www.trauerlyrik.de/trauer Verschiedenste Gedichte zu Trauererlebnissen

www.meinlebenohnedich.de Blog, auf dem Menschen ihre persönlichen Verlusterfahrungen teilen können

In unserem Konzept des therapeutischen Gärtnerns wirken die folgenden drei Aspekte zusammen:

1. Ein Sich-Wiederfinden in der Natur:

Im Garten treffen wir auf einen wahren Fundus an Metaphern, der uns als Hilfe zur Selbsterkenntnis bereit steht. Indem wir in der Natur Analogien zu unseren menschlichen Befindlichkeiten, Prozessen und Zuständen aufspüren und lernen, diese als symbolische Bilder für uns zu gebrauchen, erschließen wir uns wirksame Mittel auch für die Verlustbewältigung.

2. Ein Sich-Ausdrücken mit natürlichen Mitteln:

Der Garten bietet uns nicht nur einen Rahmen zum "Finden", sondern auch zum "Geben". Verschiedensten Anteile von uns - wie Gefühlen, Erinnerungen, Vorstellungen - können wir gärtnerisch und kreativ gestalterischen Ausdruck verleihen. Dabei steht bei GartenTrost nicht das Resultat - im Sinne einer besonders gelungenen Anlage oder eines ästhetisch ansprechenden Werkes - im Mittelpunkt, sondern der Prozess der Auseinandersetzung mit unseren "Themen".

3. Ein Sich-Erleben im Umgang mit der Natur:

Durch aktive Teilhabe und Wahrnehmung im Garten können wir uns erden, Emotionen zulassen und freisetzen, etwas abarbeiten, entspannen, den Kopf frei kriegen. Im Tun und im bewussten Erleben, im Gestalten und im Geschehenlassen erleben wir uns, sowohl im Verhältnis zur Umwelt als auch im Verhältnis zu uns selbst.